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Linz–Frankfurt Comeback - Viel Geld für wenig Netzwerk


DAT ATR-Flugzeug am Boden am Flughafen Kopenhagen, Symbol der umstrittenen Linz–Frankfurt-Verbindung, die vom Land Oberösterreich mit Millionen gefördert wird und vor allem Geschäftsreisende nur eingeschränkt bedient.
© Tripplanner ReiseService GmbH

Ab Ende März soll Linz wieder an das internationale Drehkreuz Frankfurt angebunden sein. Vier Jahre lang wird das Land Oberösterreich die Strecke mit bis zu 36 Millionen Euro unterstützen. Was auf den ersten Blick wie ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort klingt, wirft bei genauerer Betrachtung jedoch erhebliche Fragen auf.


Unbestritten ist, dass eine Anbindung an ein globales Hub wie Frankfurt für exportorientierte Unternehmen und international tätige Betriebe von großer Bedeutung ist. Gerade für Geschäftsreisende zählt eine verlässliche und qualitativ hochwertige Verbindung. Umso überraschender ist die Entscheidung, die Strecke an die dänische Regionalfluglinie DAT zu vergeben.


DAT ist in Österreich bislang kaum präsent und bietet ein Produkt, das nur eingeschränkt mit klassischen Netzwerk-Airlines vergleichbar ist. Zwar bestehen Interline-Abkommen mit einzelnen internationalen Fluggesellschaften wie Finnair, Emirates und Qatar Airways, doch diese Kooperationen sind selektiv. Die Weiterflüge sind nicht über das gesamte Streckennetz der jeweiligen Airlines buchbar, sondern nur auf ausgewählten Verbindungen. Zudem sind keine Partnerschaften mit der Lufthansa Group vorgesehen. Gerade das ist bemerkenswert, da Frankfurt eines der zentralen Drehkreuze der Star Alliance ist.


Für Passagiere bedeutet das spürbare Einschränkungen. Vielfliegerprogramme wie Miles and More greifen auf dieser Strecke nicht. Statusvorteile, Loungezugang oder Upgrades bleiben außen vor. Auch eine Business Class wird von DAT nicht angeboten. Auf einer Route, die sich primär an Geschäftsreisende richtet, ist das ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Komfort und Produktqualität spielen gerade in diesem Segment eine entscheidende Rolle.


Hinzu kommt die buchungstechnische Fragmentierung. Die Strecke Linz–Frankfurt kann direkt bei DAT gebucht werden. Für darüber hinausgehende Ziele müssen Tickets über die jeweiligen Partner-Airlines ausgestellt werden. Zwar soll das Gepäck bei entsprechenden Interline-Vereinbarungen durchgecheckt werden, dennoch entsteht kein integriertes Netzwerkprodukt, wie es bei etablierten Hub-Carriern üblich ist. Preisgestaltung und Tarifstruktur liegen bei DAT beziehungsweise den Partnern, was die Transparenz und Attraktivität zusätzlich einschränkt.

Besonders kritisch ist der massive Einsatz öffentlicher Mittel. Bis zu 36 Millionen Euro sollen in den kommenden vier Jahren fließen, um mögliche Verluste auszugleichen. Ziel ist es laut Politik, die Strecke nach dieser Anschubphase eigenwirtschaftlich zu betreiben. Angesichts der gewählten Konstruktion darf jedoch bezweifelt werden, ob dieses Ziel realistisch ist. Schon in der Vergangenheit war die Frankfurt-Verbindung wirtschaftlich herausfordernd, selbst mit deutlich stärkerer Einbindung in ein globales Netzwerk.


Es stellt sich daher die Frage, nach welchen Kriterien die Entscheidung getroffen wurde und welche fachlichen Einschätzungen in den Vergabeprozess eingeflossen sind. Wenn ein Star Alliance Hub angeflogen wird, jedoch ohne Anbindung an die dort dominierende Airline-Gruppe, entsteht ein struktureller Nachteil, der sich kaum wegdiskutieren lässt.


Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieses Modell trägt oder ob nach Auslaufen der Subvention erneut das Aus für die Frankfurt-Strecke droht. Für den Standort Linz wäre eine nachhaltige Lösung wünschenswert. Ob sie mit dieser Konstellation erreicht wird, darf zumindest hinterfragt werden.

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